Gehende Musik aus allen Himmelsrichtungen / Music on the move
PARADE klingt weiter
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Das Konzept der Parade, den Linzer Stadtrand vielfältig zum Klingen zu bringen, ist rundum aufgegangen. Eine Teilnehmerin: „Die Parade am Wochenende war ein tolles Erlebnis! Alles hat mitgespielt, die Musiker, das Publikum und auch das Wetter…einfach super“. Auch der Intendant von Linz09 äußert sich zufrieden: „Ich habe die Parade als sehr gelungen, fröhlich und interessant erlebt“.

 

Insgesamt sind einige tausend Menschen den Musikanten aus aller Welt begegnet oder gefolgt und haben die Linzer Stadtlandschaft nicht nur musikalisch neu für sich entdeckt. Sie haben gleichzeitig selbst den Standort oder die Perspektive bestimmt, aus der sie diese Hörerfahrung machen wollen und damit ihre eigene Hörgeschichte geschrieben.

 

Die musikalische Wanderung startet am 1. Mai mit Hornmusik aus der Schweiz und aus Sansibar auf dem Lunaplatz in der architektonisch ambitionierten aber etwas eintönig geratenen SolarCity. Dabei wurde am dörflichen Brauch des Maibaum-Aufstellens angeknüpft, versteht sich der Stadtteil im Grünen doch als „Dorf in der Stadt“.

 

Ein erster musikalischer Höhepunkt ist die Begegnung der gehenden Musikgruppen auf dem Holzsteg über den Weikerlsee, der die Klänge aus und in alle Himmelsrichtungen über die Wasser trägt. Der darauf folgende Zug in den Südpark endet buchstäblich unter Donner und Blitz in der Maschinenhalle von HMH Rubblemaster, wo ein interkulturelles Team von MedienkünstlerInnen einige Eindrücke vom Nachmittag visualisiert.

 

Völlig anders und ungewohnt entwickelt sich tags darauf die Landschaft des Linzer Stadthafens zum Klangereignis. Den Auftakt blasen die Schiffshörner gefolgt von den Alphörnern von den Höhen der Lafarge Zementsilos. Dann stimmen die anderen Musikgruppen von den gegenüberliegenden Hafenanlagen in den Dialog ein bevor sie musizierend vom Frachtkahn Siebnerin, dem Motorschiff Eduard und den Zillen der Berufsfeuerwehr auf den Trenndamm zur Donau und Standort des Publikums übergesetzt werden. Schließlich ziehen die Tonga MusikerInnen, das Albin Paulus & Stephan Steiner Duo und die Zumari Hornbläser Siga & Sekembuke ins Gelände der Linzer Schiffswerft wo sie von der Magistratsmusik Linz empfangen werden. Deren weiterer Zug im geordneten Gänsemarsch durch die engen Werkshallen wird kontrastiert vom chaotisch wirkenden Haufen der afrikanischen MusikerInnen, während das gemeinsame Spiel im ohrenbetäubenden Echo verschmilzt.

 

Das Bild steht für die ständig wechselnde und herausfordernde Balance von minimaler Struktur und dynamischem Chaos bzw. Bewegungsfreiheit, die die Choreografie der Parade insgesamt kennzeichnet.

 

Der Abend bei Time’s up lässt dann die Wahl zwischen der eindringlichen Robotermusik von The Trons aus Neuseeland und dem leiseren, improvisierten Zusammenspiel alter Volksmusik aus den Alpenländern und vom persischen Golf.

 

Der dritte Tag beginnt mit einer „Anspielung“ auf den Pöstlingberg mit den tranceartigen Zumari Hornklänge vom Lentos aus und setzt sich über die Nibelungenbrücke fort. Inzwischen sammelt sich bei herrlichem Ausflugswetter eine große Menschenmenge beim Petrinum, dessen Tore sich zum Innenhof öffnen, der von den durchziehenden Musikgruppen in dröhnende Schwingungen versetzt wird.

 

Dann geht es über den Kreuzweg zur Umkreisung des 20er Turms am Fuß der Mayrwiesen, die noch nie so verschieden, so lieblich und gleichzeitig so fremd geklungen haben. Beim Abschluss der Parade auf dem Vorplatz der Wallfahrtskirche auf dem Pöstlingberg ist aus dem Neben- und Ineinander verschiedener Musikwelten bereits ansatzweise ein Miteinander entstanden, das von einer „böhmischen Partie“ des örtlichen Musikvereins Pöstlingberg eingeleitet wird.

 

Die Resonanz der Parade bei MusikerInnen und Publikum ist überwältigend einhellig: das war eines der highlights von Linz09 bisher. Und sie klingt weiter. Eine umfangreiche Dokumentation wird bearbeitet und verdichtet präsentiert werden, nicht zuletzt auch an einigen Herkunftsorten der MusikerInnen. Etliche Einladungen und Projekte der weiteren Zusammenarbeit zwischen den MusikerInnen sind zustande gekommen.

 

Vor allem aber hat sich der Horizont von Linz neuerlich und nachhaltig über den europäischen Tellerrand erweitert: die Stadt hat so geklungen wie sie immer schon klingen wollte, weltoffen und international vernetzt.

 

Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden, Kooperationspartner, Förderer, das Linz09 Team und nicht zuletzt an ein großartiges Publikum.

 

Peter Kuthan

Projektleiter Parade

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